Musik im Gottesdienst am 20. März

In diesem Gottesdienst erklingen zwei Choralbearbeitungen aus dem sogenannten Orgelbüchlein von Johann Sebastian Bach. Zu Beginn spiele ich Wenn wir in höchsten Nöten sein, ein Stück mit stark ausgezierter Choral-Melodie, die auf einem separaten Manual gespielt wird. Und als Orgelnachspiel Vater unser im Himmelreich.

Bachs Orgelbüchlein war von Anfang an als pädagogisches Lehrwerk gedacht, anhand dessen angehende Organisten die Kunst der Choral-Improvisation erlernen sollten.

Bach legte das neunzigseitige querformatige Buch wohl zu Beginn seiner Weimarer Zeit, also schon etwa 1708, an und trug bereits alle Titel der 164 geplanten Choräle ein. Damit legte er nicht nur fest, welche Choräle er hier einkopieren oder neuvertonen wollte, sondern auch, ob sie jeweils eine oder zwei Seiten à sechs Zeilen umfassen würden. Die Reihenfolge der Sätze ist, wie in Gesangbüchern bis heute üblich, die des Kirchenjahres. Etwa die Hälfte der Eintragungen sind Reinschriften, also Kopien bereits bestehender Werke.

Den ersten Teil, von Weihnachten bis Ostern, füllte er fast vollständig, danach treten allmählich immer größere Lücken auf – offenbar ist das doch sehr ehrgeizige Projekt nach und nach in den Hintergrund getreten, so dass er nach 1726 nur noch eine einzige vollständige Vertonung hinzufügte. Damit umfasst das Orgelbüchlein heute „46 ausgeführte Choralvorspiele“, wie ein unbekannter Schreiber zu Bachs Titel ergänzte.

Bach setzte den Titel erst um 1720 hinzu; er lautet: Orgel = Büchlein Worinne einem anfahenden OrganistenAnleitung gegeben wird, auff allerhand Arth einen Choral durchzuführen, an-bey auch sich im Pedal studio zu habilitiren, indem in solchen darinnebefindlichen Choralen das Pedal gantz obligat tractiret wird.

Johann Sebastian Bach 1746, mit Rätselkanon (Zweitversion des Ölgemäldes von Elias Gottlob Haußmann)[1]