Plastikfasten unter „Corona-Bedingungen“: Wie klappt es denn eigentlich so?

von Melanie Heidelberger

Auch wenn uns der Sinn vielleicht seit ein paar Tagen nicht danach steht, und unsere Disziplin in ganz anderer Hinsicht gefragt ist: Wir sind mitten in der Fastenzeit.
Nach vier Wochen des Verzichts und des Sich-Bewusst-Werdens möchte ich eine erste Zwischenbilanz ziehen. Konnten wir unsere selbst gesteckten Ziele einhalten? Ließ sich unser persönlicher Fastenfahrplan umsetzen?
Durch und durch motiviert bin ich mit meiner Familie in die Fastenzeit gestartet. Wir hatten große Freude bei dem Gedanken, durch das Einsparen von Plastik der Umwelt Gutes zu tun, für andere Vorbild zu sein und auch selbst in den Genuss der positiven Auswirkungen zu kommen, die die Vermeidung von Plastik so mit sich bringt. So haben wir Spaß dabei gehabt, uns Speisen aus „reinen“ Zutaten zu bereiten und uns gesund zu ernähren. Mit diesem „Sich-Zeit-nehmen“ ging auch ein bewussteres Genießen einher.
Wir haben eingeschliffene Routinen überdacht und neue Lösungen gefunden, um Plastik aus dem Alltag zu verbannen. Die ersten Wochen haben uns richtig kreativ werden und hübsche „Werke“ entstehen lassen: Zum Abdecken von Speisen haben wir mit Pfarrerin Kathinka Brunotte bei unserem Treffen zum Plastikfasten Bienenwachstücher aus Baumwollstoffresten hergestellt.
Außerdem haben wir Pflanztöpfchen und Stiftebecher aus Milchtüten gebastelt, was vor allem bei den Kindern auf Begeisterung gestoßen ist.
Verschiedene Rezepte zum Herstellen von ergiebigen, nachhaltigen Putzmitteln sind in unserer Fastengruppe ausprobiert und weiterempfohlen worden.
Allein mein Versuch, Zahnpasta durch Zahnputztabletten zu ersetzen, ist auf weniger große Begeisterung gestoßen. So wird am Ende der Fastenzeit wohl nur meine größere Tochter als einziges Familienmitglied dabei bleiben, sich die Zähne mit Zahnputztablettenschaum zu putzen.
Dann kamen die Coronaferien über uns mit ganz viel Zeit und Muße, Dinge auszuprobieren und selber zu machen. In den ersten Tagen lief alles noch fastenplangemäß und wir waren sehr zufrieden mit unserer Bilanz.
Doch nach einiger Zeit leerten sich die Regale in den Supermärkten. Die Auswahl reduzierte sich dramatisch, und plötzlich waren viele Waren überhaupt nicht mehr zu bekommen, geschweige denn von einer bestimmten nachhaltigen Firma. Jeder musste beispielsweise froh sein, überhaupt noch Toilettenpapier zu ergattern. Ob es nun vom Label „ Blauer Engel“ war, war da auf einmal zweitrangig.
Mein Frust steigerte sich schließlich, als ich im Supermarkt zunächst an der Käsetheke und später auch beim Bäcker mit meinen mitgebrachten Dosen abgewiesen wurde. „Die dürfen Sie erstmal wegpacken!“, sagte mir die Verkäuferin entschuldigend mit den Achseln zuckend. Aus Hygienegründen darf nun leider die Ware nicht mehr in Behältnisse gefüllt werden, die der Kunde mitgebracht hat. Also leider mitten in der Fastenhochzeit doch wieder Käse, der doppelt und dreifach in Folien und Papierchen eingepackt wird.
Natürlich sind solche Vorschriften verständlich und zum Glück ja auch nur vorübergehend. Trotzdem werfen sie unsere Fastenpläne durcheinander und ich ertappe mich dabei, dass sich ein „Jetzt ist es auch egal-Gefühl“ einschleicht und ich das ein oder andere Mal plastiksündige.
Ein bisschen aus Frust, ein bisschen aber auch aus der Angst und Unsicherheit heraus, die die Pandemie mit sich bringt, schaffe ich es heute zum ersten Mal nach vier Wochen nicht, der in Silberpapierchen verpackten Tafel Schokolade zu widerstehen, die als eiserne Reserve im Vorratsregal liegt. Nervennahrung? Wahrscheinlich . Aber auch Belohnung für die ersten vier Wochen tapferen Durchhaltens!

Und, wie geht es euch mit eurem Fastenziel in Zeiten von Corona? Hier könnt ihr euch austauschen!

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